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Partnersuche bei Facebook: Willst du mit mir gehen war gestern

„Facebook“ und „MeinVZ“ sind zu geflügelten Wörtern geworden. Besonders junge Menschen nutzen diese sozialen Netzwerke als Forum um zu flirten – im Web 2.0 Style. „Gruscheln“ und „anstupsen“ ersetzen den realen Blickkontakt.

Während man früher in der Schule noch handschriftliche Zettel mit den berühmten Worten „Willst du mit mir gehen“ an die Angebetete verteilte, läuft im Jahr 2010 ein Grossteil der Flirtkommunikation bereits über Social Communities – oder zu deutsch: Soziale Netzwerke. Diese sind ein Web 2.0 Phänomen. Die bekanntesten Foren in Deutschland sind „Facebook“ und „MeinVZ“. Facebook hatte nach eigenen Angaben der Plattform zum sechsten Jubiläum am 5. Februar 2010 rund 400 Millionen aktive Nutzer weltweit. MeinVZ erreichte nach Angaben der FAZ im Juni 2009 schon 3,17 Millionen Mitglieder. Mittlerweile ist das Forum über Deutschland hinaus verbreitet – am 20. Januar 2009 wurde dieses Netzwerk auch in Spanien, Polen, Italien und Frankreich online eingestellt.

Diese beiden Portale sollten eigentlich ursprünglich das Kennenlernen von Studenten vereinfachen. Per Mouseklick kann ganz einfach eine Anfrage gesendet werden, und man wird, bei Gefallen, zum Freund erkoren. Es gibt auf beiden Homepages die Möglichkeit, ein persönliches Profil einzustellen. Neben Namen, Universität, Beruf, Ausbildung, Adresse, Interessen gibt es noch Pinnwände, an denen sich die einzelnen User Nachrichten hinterlassen können, welche dann auch von den anderen virtuellen Gefährten gelesen werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit private Nachrichten zu versenden. Youtube-links werden eingepflegt, Fotos hochgeladen und Vernetzungen zwischen den einzelnen Bekannten angezeigt. Du suchst neue Freunde? Kennst du denn den schon? Schwups, erscheint ein Bild von einem Kollegen eines Freundes. Der sieht aber niedlich aus!

Laut einer Umfrage verlaufen heute ein Drittel der Kontaktaufnahmen bei 30- bis 50-Jährigen Personen, die dann im Endeffekt zu einer späteren Partnerschaft führen, über das Internet. Berücksichtigt man die Tatsache, dass die jungen Menschen heutzutage mit solchen sozialen Netzwerken sozialisiert werden, also mit diesen Möglichkeiten aufwachsen, wird schnell klar, wie rasant diese Entwicklung in der Zukunft weiter verlaufen wird. Schon Anfang des Jahres hält WELT ONLINE fest, „Online-Dating ist zu einer Art Volkssport geworden“ und ruft dazu auf, die Möglichkeiten des weltweiten Netzes zu analysieren.

Machen Facebook und MeinVZ nun Dating einfacher? Zählen sie zu den Partnerbörsen für Jugendliche und junge Erwachsene?
Prinzipiell klingt das alles erst einmal schon „easy“, wie es wohl ein Teenager ausdrücken würde: Traue ich mich nicht, mein Objekt der Begierde auf der Mensaparty anzusprechen, logge ich mich einfach am anderen Tag bei Facebook ein, um Internetstalking zu betreiben.
Zum Glück habe ich den Namen aufschnappen können. Aha, sie ist mit einem Bekannten von mir befreundet und ihr Profil ist sogar öffentlich – und ihr Beziehungsstatus ist Single! Schnell „anstupsen“ (oder bei MeinVZ „gruscheln“) und gucken, was passiert. Ganz mutige werden vielleicht sogar sofort eine Message schreiben („War ja wohl eine witzige Party gestern, oder was meinst du?“).

Hemmungen können dank dieser Portale sehr schnell überwunden werden. Und die Auswahl potentieller Partner erscheint riesig. So ist es eigentlich egal, ob man sich bei offiziellen Partnerbörsen umschaut, oder Facebook und MeinVZ zu Rate zieht: Es gibt generell ein riesiges Angebot an möglichen Partnern. Diese Portale zielen in eine ganz bestimmte Richtung: Es liegt alles an der Profiloptimierung. Denn diese beeinflusst die Suchparameter. Übereinstimmungen im Profil werden gleichgesetzt mit menschlichen Charakterzügen. Er hört also auch „Tool“ und „The XX“ – wir müssen einfach Seelenverwandt sein.

Wenn man dann die Hürde der Kontaktaufnahme geschafft hat, geht es aber erst richtig los! Schafft man es dann in die Freundesliste, kann die große I-netspionage starten. Mit wem ist sie befreundet? Welche Musik hört sie? Wo war sie letztes Jahr im Urlaub? Wer schreibt ihr auf die Pinnwand? Sie hat ein Foto kommentiert? Welches? Von vom?

Diese Online-Portale können definitiv als neue Kontaktmöglichkeit gewertet werden. Es liegt einfach in der Natur der Sache. Ein kleiner Chat im Plauderkasten (MeinVZ), Linkaustausch des neusten Lieblingsmusikvideos bei Facebook, alles läuft schriftlich, ist herrlich unkompliziert und zwar virtuell nah dran, doch in der realen Welt bequem weit weg. Schafft man dann tatsächlich den Sprung in die wirkliche Welt, wird natürlich sofort der Beziehungsstatus auf „vergeben“ gesetzt, damit alle anderen diesem frohen Ereignis beiwohnen können. Hält es nicht, kriegen es dummerweise auch alle mit – spätestens, wenn das zerbrochene Herz auf der Facebookseite gepostet wird.