Partnersuche.org: Herr Rabe, in Deutschland gibt es 11 Millionen Singles und 7 Millionen angemeldete Nutzer bei Partnerbörsen - in welcher Zielgruppe kann die Branche denn überhaupt noch wachsen?
Joachim Rabe: Zum Beispiel durch die Silver Surfer. Der Anteil der über 55jährigen wird bei der Partnersuche im Internet noch wesentlich stärker werden. Diese Gruppe ist bisher noch unterdurchschnittlich vertreten. Es wird völlig normal, auch im etwas reiferem Alter aktiv nach einer Beziehung zu suchen. Das war vor 20 Jahren noch absolut ungewöhnlich.
Wie sehen Sie die Konkurrenz durch Gratis-Börsen?
Gar nicht. Wir sehen Gratis-Börsen nicht wirklich als Konkurrenz. Aus mehreren Gründen: Zum Beispiel gibt es bei Gratis-Börsen viele Spammer und Scammer, die einfach Geschäft mit Partnersuchenden machen wollen. Da aber Gratis-Börsen kaum Einnahmen erzielen, können sich keinen ordentlichen Kundenservice leisten, der Fakes aussortier
t. Bei unseren Plattformen kümmert sich ein spezielles Team darum, die Qualität der Profile zu gewährleisten. Fakes, soweit erkennbar, werden gelöscht. Fazit: Neulinge bei der Online-Partnersuche gehen manchmal auf Gratis-Börsen, kommen dann aber meist am Ende doch zu uns, weil sie ihre Zeit nicht mit Fakes verschwenden wollen.
Aber sehr viel Geld stecken Sie doch einfach in Werbung?
Klar, wir investieren die Einnahmen wieder in Werbung um neue Mitglieder zu gewinnen. Davon profitieren alle, weil eine Singlebörse um so attraktiver wird, je mehr neue Mitglieder hinzukommen. Bei einer Singlebörse wie neu.de sind dies mehrere tausend neue Mitglieder täglich.
Wird die Software nicht so gut, dass man Fakes in Zukunft auch ohne menschlichen Kundendienst einfach vom Computer herausfiltern kann ohne teuren Kundenservice?
Die technologische Unterstützung wird in Zukunft besser, dies allein wird jedoch nicht reichen. Es wird auch ein anderes Problem bleiben: Bei Gratis-Börsen melden sich viele Menschen an, um mal schnell ihren Marktwert zu testen - es kostet ja nichts. Dies müssen nicht unbedingt Singles sein, schließlich geht es eh nicht darum, wirklich jemanden kennen zu lernen. Das gibt es bei kostenpflichtigen Angeboten nur sehr eingeschränkt - der Mitgliedsbeitrag ist letztlich ein Filter für Ernsthaftigkeit.
Durch die wissenschaftlich gestützte Online-Partnervermittlung wird die Scheidungsrate sinken - das zumindest erwartet Arndt Roller, der Geschäftsführer von Parship. Stimmen Sie zu?
Nein.
Herr Roller meint, die Software sei bei der Partnerauswahl besser als das eigene Bauchgefühl, weil sie mehr auf Kriterien achtet, die langfristigen Beziehungserfolg versprechen, anstatt auf äußerliche und oberflächliche Eindrücke.
Wird die Wirklichkeit hier nicht zu sehr reduziert? Wir gehen davon aus, dass der Prozess der Online-Partnersuche zweistufig ist: Erstens: Das Identifizieren derjenigen Personen, die zu einem wirklich passen könnten. Dies kann ein von fähigen Psychologen entwickeltes Programm wie bei unserer Onliner-Partnervermittlung Partner.de auch leisten. Der zweite Schritt, ob und in wen man sich aus dieser Gruppe verliebt, ist durch uns nicht mehr beeinflussbar. Hier spielen letztlich hochsubjektive und persönliche Komponenten, wie das persönliche Auftreten, Humor, Geruch, Charisma etc, oder auch unterbewusste Erinnerung aus frühen Jahren eine wesentliche Rolle. Stellen sie sich vor, dies wäre anders. Das Leben wäre doch langweilig.
Aber auch hier wird die Software doch immer besser.
Wir glauben, dass die Liebe immer eine primär subjektive menschliche Entscheidung ist und das auch immer so bleiben wird - Software hin oder her. Auch in 20 Jahren wird Software allein nicht in der Lage sein, die perfekten Paare zu bestimmen. Das Leben ist etwas so komplexes, so Schönes, das lässt sich nicht alles in einen Algorithmus hineinpressen.
Herr Rabe, wie sehen Sie die Entwicklungen in der Branche in den nächsten Jahren?
Auf jeden Fall wird es eine weitere Konzentration geben: Weniger, aber größere Anbieter. Ich persönlich glaube, dass nur die Anbieter überleben werden, die sich auf ihre eigentliche Kompetenz beschränken, sprich auf Dating oder Online Partnervermittlung. Zusätzlich wird es noch einige Spezialanbieter geben für kleinere Gruppen wie Alleinerziehende, Silver Surfer und so weiter - diese werden sogar noch an Bedeutung gewinnen.
Insgesamt wird die Branche weiter wachsen, weil Online-Partnersuche zur Zeit passt. Die nachwachsende Generation organisiert ihr Leben im Internet, da ist es nur konsequent, auch online auf Partnersuche zu gehen.
Hintergrund: Joachim Rabe
Joachim Rabe leitet als Geschäftsführer der neu.de GmbH die Partnerbörsen neu.de und Partner.de. Er kommt vom französischen Mutterunternehmen meetic.com in Paris wo er für das Geschäft in Zentraleuropa zuständig ist. Rabe ist verheiratet und hat zwei Kinder.